Über Heiligabend

Es ist Heiligabend. Dieses Jahr sitze ich noch hier zuhause und mein Sohn ist da, damit wir wenigstens den halben Tag gemeinsam feiern können.
Doch schon nächstes Jahr wird das vermutlich anders sein und ich bin an diesem Feiertag nicht da.
Unterwegs irgendwo in der Ferne. Vielleicht aber auch nur ein paar Städte weit weg.
Wie das wohl ist?

plastiktanne gegen echten Weihnachtsbaum

Jedes Jahr wieder das gleiche Spiel: Welche Tanne wird es? Warum kosten die Dinger so viel Geld? Nächstes Jahr kaufen wir definitiv eine Plastiktanne! Oder eben nicht.

Weihnachten wie’s früher war

Als ich klein war wurde eigentlich das ganze Jahr über auf Heiligabend gewartet.
Die eigentlichen Weihnachtsfeiertage waren für uns Kinder nicht von Bedeutung.
Das war die Zeit in der man dann ungestört von Schule oder Kindergarten mit den Weihnachtsgeschenken spielen konnte, ansonsten gabs da auch noch viel zu essen, jede Menge Familie, mal gewollt, mal ungewollt, und eine ganze Menge Freude, Lachen, Zanken (Wegen der ganzen Cousins und Cousinen, die die Geschenke auch mal haben wollten) und wieder Vertragen.
Es war eine Zeit fast ohne Fernsehen und so hatten wir auch die Muße um mit den neuen Spielsachen einfach abzutauchen in unsere Fantasiewelt.
Hach, Kinder, war das eine tolle Zeit.

weihnachtsmann als weihnachtsschmuck

Naja, ein bißchen Weihnachtsschmuck in der Wohnung muss schon sein.

Wir wurden älter und auch wir mußten feststellen, daß der Weihnachtsmann nur eine Erfindung war.
Ich kann mich nicht mehr an den Tag erinnern, ich weiß nicht, ob es ein Schock war, oder ob es egal war, Hauptsache, am Ende liegen Geschenke unter der Tanne.
Ich habe es überlebt, aber Weihnachten war nie wieder so wie vorher.

Standard war bei uns auf dem Dorf, daß es erstmal zur Messe in die Kirche ging.
Meistens lag an Heiligabend Schnee und so wurde der Weg zur Kirche zu einem ersten Fest, denn was kann schöner sein, als sich mit einer fetten Schneeballschlacht abzulenken?

Der Schnee taut selbst in einer kalten Kirche und sorgt so für genug Ablenkung, um auch die langweiligste Weihnachtsandacht zu überstehen.
Danach war für uns kein Halten mehr.
Ihr glaubt doch nicht, daß wir uns auf dem Weg nach Hause nochmal mit Schneeballschlachten aufgehalten haben?

Im Laufschritt zurück zur Bescherung

Im Laufschritt ging es zurück, umso schneller lag das Folgende hinter uns und es konnte endlich die Bescherung stattfinden:
Jedes Jahr wieder eine Tortur, aber eine Routine die dann noch jahrelang geblieben ist:
Die Weihnachts LP von Peter Alexander.
Und zwar BEIDE SEITEN!
Erst dann durften wir – abwechselnd, jeder immer nur 1 Geschenk pro Runde! – unsere Weihnachtsgeschenke auspacken.

Erst nach ein paar Jahren hatte ich mich soweit im Griff, daß ich bei der ersten Runde nicht zwangsläufig nach dem größten Paket griff. Da ist ja nicht immer das Tollste Geschenk drin. Manchmal schlummert in einem kleinen Karton ein Präsent, das einen dann das ganze folgende Jahr erfreut.

Was die Erwachsenen dann gemacht haben weiß ich nicht. Wir Kinder waren mit unseren Geschenken beschäftigt. Kurz kam in unseren Köpfen die Frage auf, wie der Weihnachtsmann es schaffen konnte einmal im Jahr überall zur gleichen Zeit zu sein. Diese Rentiere mussten verdammt schnell sein.
Aber wie geschrieben: Die Frage kam nur kurz auf.
Was am Ende zählt ist ja, was in der Verpackung drin gewesen ist.

Und beinahe jedes Jahr war es exakt das was man sich das Jahr über gewünscht hat.
Irgendwie konnte man den Nikolaus und / oder Weihnachtsmann Jahr für Jahr erneut austricksen und sich monatelang wie blöde danebenbenehmen.
Hauptsache war, daß man in der Vorweihnachtszeit die Füße still hielt.
Dann klappte es auch mit den Geschenken.

ausmalen von weihnachtsbildern in der vorweihnachtszeit

Das gehört ja auch zur Vorweihnachtszeit (mit Kindern): Weihnachtsbilder malen. Also in diesem Fall wars ja eher Ausmalen

Weihnachten wie’s heute ist

Diese Zeit liegt lange hinter mir und wenn ich auf die letzten Weihnachtsfeste vor der Geburt meines Sohnes denke, dann waren die eigentlich immer eher lästig, als das sie irgendwie schön waren.
Klar, man trifft sich mit Familie, aber ist das immer wünschenswert? Wenn man sich schon jahrelang auseinandergelebt hat und alte Wunden nie verheilen konnten.
Auch, weil sie an Weihnachten wieder aufgefrischt wurden.
Ich will nicht mit den üblichen Familienstreitigkeiten rund um die Tanne anfangen, da wird wohl beinahe jeder von euch seine eigene Geschichte haben, aber Weihnachten spielte in meinem Leben keine Rolle mehr.
Und auch die Erinnerung ans Fest war längst verblasst.
Bis dann mein Sohn die Bühne betrat.

Ich bin nach wie vor kein Fan der Festtage, aber ich versuche trotzdem bestimmte Traditionen zu wahren (Ich rede jetzt NICHT von der Peter Alexander Platte. Die Schallplatte gibt es nach wie vor, aber die wird er nicht hören müssen!) und mindestens einmal in der Vorweihnachtszeit sollte man ja Kekse backen (Haben wir vor 3 Tagen erledigt) und eigentlich brauchts eine Tanne (Die steht bei seiner Mutter, das muss wirklich reichen!), einen bunten Teller (Ist in Arbeit) und Weihnachtskerzen (Voll verbockt!)

Ich hoffe das es ihm gefällt. Aber auch er schielt hauptsächlich auf die Geschenke (Und das sind so unendlich viele, aber das kennt ihr als Eltern vermutlich selber!) und das Beiwerk ist nicht so wichtig.
Ich werde kochen heute an Heiligabend. Ein Abenteuer, ganz klar. Aber wie immer wenn ich am Herd stehe gibt es eine Alternative (Bringdienst!).
Wir werden nicht verhungern.
Wir werden einen schönen Vormittag haben.
Er wird sich später gerne an seine Weihnachtsfeste erinnern.
Da bin ich sicher.
Auch wenn ich nächstes Jahr vielleicht nicht dabei bin.
Mein Herz wird wieder mit ihm unter der Tanne sitzen, ganz egal wo ich bin.

Ich wünsche euch Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch.

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