Städtereise Wien – der dritte Tag zum Wiedersehen

wiener verkehr fliesst gemütlich

Der Verkehr in Wien ist nicht so dicht wie man meinen möchte. Trotzdem sollte man natürlich die Ampeln nutzen.

Heute war der zweite ganze Tag in Wien und irgendwie hatte ich schon so ein Gefühl der Vertrautheit. Das lag sicherlich daran, daß ich zu Fuß den selben Weg in die Stadt nahm und deswegen an zahlreichen mittlerweile bekannten Orten vorbeikam.
Aber weil ich so gut gestimmt war, hatte ich auch noch das Gefühl den einen oder anderen Menschen dem ich unterwegs begegnete, schon einmal gesehen zu haben.
Also habe ich freundlich mit dem Kopf genickt und leise Servus gebrummt.

Von wegen grantelnder Wiener

Und was soll ich sagen?
Da kam dann tatsächlich ein Servus oder Grüß Gott zurück.
So als würden wir uns wirklich kennen, oder als gäbe es diesen weltberühmten grantelnden Wiener Charme gar nicht, vor dem einen die Leute immer warnen.
Ganz klar: Keinen der Gegrüßten hatte ich jemals zuvor gesehen und umgekehrt war es genauso, das war einfach nur Freundlichkeit.

kleine strasse in wien

Manche kleine Strasse in Wien sollte man einfach mal durchschreiten. Schöne Häsuer zum Staunen

Freundlichkeit in einer Stadt die von Millionen Touristen im Jahr bewandert wird? Von denen manche sicherlich anstrengend in ihrer Art sind, manche supercharmant und andere einfach total unauffällig, aber trotzdem da?
Ich persönlich finde es bemerkenswert, wenn man am Ende der Sommersaison noch ein freundliches Servus rausbekommt. Für einen vollkommen Fremden.
Und dabei war ich doch auf der Suche nach dem leicht granteligen Wiener von dem immer alle erzählen. Und den zu finden, hatte ich schon beinahe aufgegeben.
Dann landete ich allerdings in einem der Cafes von meiner Liste und da war er dann.
Meine Bestellung (Cafe Latte, ich weiss ist irgendwie abartig, wenn man einen auf Kaffeefan macht) wurde mit einem unwirschen Blick, einem betont unbetonten Hmmhmm und einem sofortigen Abwenden und Ignorieren beantwortet. Vielmehr: Hingenommen. Mit einer stoischen Ruhe und Apathie zauberte er dann die Bestellung in den Pappbecher.
Da hat der Kaffee dann gleich noch etwas besser geschmeckt, allerdings muss ich dann hier mal schreiben: Das Granteln war hier nur die Gesprächseröffnung, danach gings richtig freundlich und lustig zur Sache. Rund um das Thema Kaffee natürlich. Nach dem freundlichen Geplauder und dem leckeren Kaffee gings dann flott weiter.

Wenn man in Wien langsam die Gebäude erkennt, dann läufts…

Mein Weg in die Stadt führte mich natürlich wieder an jeder Menge alter Häuser vorbei und heute war es dann endlich soweit, daß ich sie auch schon von Weitem erkannte.
Meine Route änderte ich noch spontan ab, weil ich ein paar meiner Highlights auf dem Zettel am Vortag vergessen hatte. So ging ich grob in die Richtung wo ich sie vermutete und landete dann tatsächlich dort.
Es handelte sich hier um die Kunsthalle Wien, das Leopold Museum und noch das Design Forum, die ich auf den Fotos ganz schick fand.
Sie kann man am Museumsquartier finden, vom Ring aus geht man einfach zwischen Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum durch. In der Nähe ist auch noch eine Kunsthochschule, die ich aber auf der Karte nicht mehr wiederfinden kann. Da findet ihr einen Park in dem ihr eine Weile ausruhen könnt. Mitten in der Stadt und unglaublich ruhig gelegen.
Ich bin also angekommen in der Stadt. Wenn man die Straßen erst wiedererkennt, dann kann man sich endlich auf viele andere Dinge konzentrieren. Menschen zum Beispiel.

wien ist auch alt und neu nebeneinander

Wien steht auch für Altes & Neues. Leider nicht gut zu sehen: Antiquariat neben hippem Smoothie Lokal.

Alt und neu bunt gemischt

Wien ist eine alte Stadt voller Antiquitäten. Die sind in zumeist hervorragendem Zustand und lohnen einen Besuch. Soviel ist schon klargeworden. Aber Wien ist auch eine sehr moderne Stadt und so findet ihr häufig Altes neben Neuem. Ein wundervolles Antiquariat in schwarz und schimmelgrün neben einer Smoothiebar in frechem, modernen Grün.
Kommt man aus einem der beiden Läden wieder heraus blickt man nahezu direkt auf den Volksgarten. Den solltet ihr auch auf euren Zettel schreiben. Rechts dann das Parlament, ein Gebäude das leicht an Rom erinnert, und links schon fast das Rathaus in Reichweite. Ein ebenfalls imposantes Gebäude.
Geht man jetzt aber die Josefstädter Strasse hinunter, landet man gleich in einem vollkommen anderen Wien. Das erinnert mehr an normale Städte, auch wenn man auch hier imemr wieder besondere Bauten sehen kann.
Übrigens war dort dann auch der grantelnde Barista zu finden. Vielleicht sollte ich mir das Viertel morgen noch genauer anschauen.
In diesem Viertel findet ihr nämlich auch jede Menge Wiener. Hatte ich jedenfalls das Gefühl. Hier fühlte es sich nicht mehr so nach Tourist an, ganz normale Läden, nicht mehr so viele optische Highlights, sondern eher ganz normale Häuser einer alten Stadt. Oder freundlich ausgedrückt: Einer Weltstadt mit jahrhundertealter Tradition.
Und hier hat das mit dem Servus auch ganz prima geklappt. Versucht man in Hannover mal ein Hallo, ist die Antwortquate nicht mal halbsogut wie hier in Wien. Und Hannover hat vermutlich seit der Expo bis heute grad mal soviele Touristen zu Besuch gehabt wie Wien in einem Jahr.
Was wirklich positiv aufgefallen ist heute in der Stadt: Freundlich, hilfsbereit und tolerant sind sie, die Wiener.
Vermutlich die verrücktesten Touristen gewohnt, kann man sich mit seiner Kamera auch beinahe auf den Boden legen und erntet höchstens mal ein respektvolles Kopfschütteln. Die sind hier Kummer gewohnt würde ich sagen.
Apropos Kummer: Da habe ich in der Innenstadt ein Hotel Kummer entdeckt.
Es gibt von John Irving ein fabelhaftes Buch namens Das Hotel New Hampshire und das spielt größtenteils in Wien. Eine amerikanische Familie zieht nach wien und übernimmt dort ein Hotel. Der Hund der Familie heißt Kummer, aber vermutlich hat der Name des echten Hotels in Wien null mit dem Buch zu tun. Wäre aber eine schöne Geschichte. Bei meinem nächsten Wienbesuch sollte ich einfach mal kurz reingehen und nachfragen.

Ein Abend am Prater mit Riesenrad, Schwindelgefühlen und dem unvermeidlichen Wiener Schnitzel

Der Tag ging wie im Flug rum und zum Nachmittag hin wurd es etwas bewölkt und fing leicht an zu nieseln. Also gings zurück ins Hostel Porzellaneum und ich konnte mich kurz ausruhen und ein bissl was shreiben.
Abends war ich nämlich noch mit einem Bekannten und seiner Frau verabredet. Abholen vom Westbahnhof und dann auf den Prater, endlich ins Riesenrad. Ich versuche ja nach Möglichkeit meine Höhenangst zu überwinden und der Theorie nach funktioniert so etwas am Besten, wenn man sich der Angst stellt. Da gibts nichts besseres als eine alte, klapprige Gondel eines Riesenrads aus dem 18 Jahrhundert. (*)

(*) In der Tat wurde das Wiener Riesenrad im Jahre 1897 zur Feier des 50ten Thronjubiläums von Kaiser Franz Josefs I. errichtet, wobei es dann kurz darauf – 1916 – beinahe wieder abgerissen worden wäre. Das konnte sich die Stadt Wien aber zum Glück damals nicht leisten und dementsprechend hatte ich heute also das Vergnügen einer Fahrt.

Aporpos Glück: Zum Glück wurden seit 1897 einige Veränderungen und Renovierungen an dem Riesenrad vorgenommen. Auch wenn es insgesamt etwas alt und betagt aussieht: Auch in Österreich gibts einen TÜV und solche Fahrgeschäfte müssen ziemlich strengen Standards genügen. Es ist also ein ziemlich sicheres Vergnügen.
Und es macht Spaß. So richtig viel Spaß sogar.
Aber der Reihe nach.
Ich habe also meinen Bekannten samt Frau am Bahnhof abgeholt und wir sind in deren Hotel gefahren. Von da aus ging es dann mit dem Taxi zum Prater. Die Fahrt hat ir gezeigt, daß ich in Wien nicht wirklich Auto fahren möchte wenn es sich vermeiden läßt. Wirkt jetzt nicht so spaßig, auch wenn es in Berlin etwas stressiger sein dürfte.
Das Riesenrad steht gleich am Eingang des Praters und so ging es gleich ins Eingemachte.
Eine einfache Fahrt kostet normale Touristen um 9€ (UM sagt man in Österreich, wenn man sagen will, daß es soviel kostet. Also mit Wien Card kostet die Fahrt dann um 7,50, denn da gibts einen Rabatt.)
Die Wien Card lohnt sich in jedem Fall für Touristen, denn da ist ja auch noch die Straßenbahn für 48 oder gleich 72 Stunden mit drin.
Bevor man in die Gondel kommt, kann man im Vorraum noch ein bißchen die Modelle bewundern und sich ein wenig in Stimmung bringen. Wenn man den Ausgang zum Riesenrad gefunden hat stellt man sich an und dann geht es mit einer Menge anderer Leute hinein in die Holzgondel mit ziemlich großen Fenstern. Türen zu und los geht die Fahrt.
Mir war nicht ganz wohl und die Frau meines Bekannten gab ihr Bestes um mich abzulenken und mir meine Angst zu nehmen. Das und das viele Training mit Fliegen undSeilbahn fahren sorgte aber dann dafür, daß ich die Fahrt schon nach kurzer Zeit genießen konnte und mich oben in der Gondel dann auch ans Fenster stellen konnte. Das Schwindelgefühl war weg und an seine Stelle trat der spaß. So soll es sein.
Wir sind extra Abends gefahren, denn der Anblick in der Dämmerung oder gleich im Dunkeln ist sagenhaft.
Stellt euch ans Fenster und genießt die erleuchtete Skyline der Stadt. Schaut nach unten und seht das Blinken der Fahrgeschäfte auf dem Prater.

Es ist beschlossen: Wien wir sehen uns wieder!

Genug geschwärmt, irgendwann ist auch so eine Gondelfahrt mal zuende und dann ging es für uns ins Schweizerhaus, ein Restaurant in dem Freizeitpark das sehr beliebt ist und wo man gut essen kann, wie ich jetzt weiß. An die Schweinshaxen hab ich mich nicht rangetraut und mich stattdessen lieber doch einem Wiener Schnitzel gewidmet. Das ist so plattgekloppt, daß ich sicher sein konnte, daß es sich nicht vom Teller erhebt und mich angeht um für artgerechte Tierhaltung zu demonstrieren.
Aber ich denke zum Wiener Prater werde ich lieber noch einen gesonderten Artikel verfassen. Der ist dann wirklich was Besonderes und verdient eine einzelne Betrachtung.

Es war ein wundervoller Tag hier und das Morgen schon der Abschied naht macht mich tatsächlich ein wenig traurig. Es gibt hier noch so viele Dinge zu entdecken und es bleibt nur noch so wenig Zeit. Da hilft wohl nur: Eines Tages noch einmal anreisen.
Entschuldigung, daß dieser Artikel etwas lang geraten ist. Aber er ist immer noch viel zu kurz, um diese Stadt ausreichend zu würdigen.

Weiterlesen:
Städtereise nach Wien – Tag 1
Wien als Tourist – Tag 2
Abschied von Wien – Tag 4

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